23. Entwurmung/Parasitenbehandlung bei Igeln. Meine Empfehlungen für den Tierarzt Ihres Vertrauens zur Entwurmung Ihres Pflegeigels

Entwurmung/Parasitenbehandlung bei Igeln. 

Meine Empfehlungen für den Tierarzt Ihres Vertrauens zur Entwurmung Ihres Pflegeigels

Außenparasiten:

Frontline-Spray aus der 100-ml-Pumpspray-Flasche (keine Spot-on-Präparate!!!)  zur Entflohung und bei Zecken-Massenbefall (= über 30 Stück), je nach Igelgröße 1 bis 3 Sprühstöße auf den Rücken und bei Igeln ab 350 g auch einen sparsamen Sprühstoß unter den Bauch, nicht in Gesicht und Augen sprühen (abdecken)!
Zecken ansonsten manuell entfernen!

Innenparasiten:

Im folgenden nenne ich die vier Hauptentwurmungskomponenten, die für Igel ab 250 g Körpergewicht (Levamisol ab 300 g Körpergewicht und nur bei stabilen Igeln) in Betracht kommen. Bei der sogenannten „Prophylaktischen Entwurmung“ gibt man ohne detaillierte Untersuchung des Igels alle vier Medikamente und ist danach sicher, dass er nun frei von Innenparasiten ist. Dies dauert etwa zwei Wochen und erfordert vier verschiedene Medikamente, von denen drei aufs Futter getan werden können, das vierte muss gespritzt werden.

Praziquantel, Levamisol und/oder Flubenol dürfen auf keinen Fall an ein und demselben Tag verabreicht werden!! Die Menge der Toxine, die von absterbenden Innenparasiten ausgestoßen werden, kann bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer Entwurmungsmedikamente derartig hoch ansteigen, dass binnen Minuten ein Leber- oder sogar  Multiorganversagen einsetzt und zum Tod des Igels führt. Die Gabe der Entwurmungsmedikamente muss der Verfassung des Igels angepasst sein.

1. Praziquantel (Handelsnamen: Droncit, Prazinex, Band-ex, VetBancid u.a.) 56,8 mg/ml

einmalige Injektion: 0,22 ml für Igel mit 250 g bis 500 g Körpergewicht (KG), 0,44 ml für Igel mit 500 g bis 900 g KG und 0,05 ml/100 g KG für Igel über 900 g Körpergewicht; oder

einmalig von einer 50-mg-Droncittabl. eine Vierteltabl. für Igel unter 500 g und eine halbe Tabl. für Igel über 500 g, zermörsert übers Futter.

Gegen Bandwürmer, Darmsaugwürmer u. a.

2. Cotrimoxazol (Handelsname: CotrimK, Suspension für Kinder) 48 mg/ml

je 0,1 ml/100 g KG an 7 aufeinanderfolgenden Abenden übers Futter, am ersten Abend die doppelte Menge.

(Um Nebenwirkungen und Resistenzbildungen auf das Antibiotikum Cotrimoxazol zu vermeiden, kann man statt der 7tägigen Gabe von CotrimK  auch einmalig  0,04 ml pro 100 g KG Vecoxan oral verabreichen. Die kleinste kaufbare Menge von Vecoxan ist allerdings eine 200-ml-Flasche für einen nicht unerheblichen Preis.)

Gegen Kokzidien.

3. Flubendazol (Handelsname: Flubenol)

a) Pulver (5-prozentig) :  0,1 g /100 g KG  (das entspricht ca. 1 kleinen Msp. pro 100 g Körpergewicht) jeweils an 5 aufeinanderfolgenden Abenden übers Futter, oder

b) Paste (44 mg/ml Flubendazol): Dosierung aus dem Injektor nach untenstehender Tabelle, ebenfalls an 5 aufeinanderfolgenden Abenden übers Futter oder direkt oral eingeben.

Gegen Lungenhaarwürmer und Darmhaarwürmer u.a.

4. Levamisol 

a) Levamisol-Injektionslösung 10-prozentig: derzeit nicht lieferbar!

Zwei Injektionen à 0,02 ml/100 g KG im Abstand von 48 Std., jeweils verdünnen mit 0,2 ml Bisolvon pro Igel und anschließend 1-ml-Spritze bis 0,8ml auffüllen mit NaCl,  mit Aspiration spritzen, da das Mittel auf keinen Fall in die Blutbahn gelangen darf! Nur bei stabilen Tieren über 250 g.

Gegen Lungenwürmer und Darmhaarwürmer

b) Levamisol 10-prozentig als Pulver (Handelsnamen: Concurat-L 10%, Nilverm Nova 118mg/g)

1,0 g Pulver in 3,0 ml Wasser auflösen. Davon 0,08 ml / 100 g KG  zweimal im Abstand von 48 Std. oral verabreichen.

(0,08 ml = 2 mg Levamisol)

Gegen Lungenwürmer und Darmhaarwürmer

5. Milbemycinoxim (Handelsnamen: Milbemax, Milprazon, Milpro)

als Alternative zu Levamisol. Eine Tablette „Milprazon kleine Katze“ enthält 4 mg Milbemycinoxim und 10 mg Praziquantel.

1/2 Tablette „Milprazon kleine Katze” bis 300 g KG zweimal im Abstand von 1 Woche zermörsert übers Futter

1 Tablette „Milprazon kleine Katze” ab 300 g KG zweimal im Abstand von 1 Woche zermörsert übers Futter

Gegen Lungenwürmer u.a.  

Achtung: Die in „Milprazon kleine Katze“ enthaltene Praziquantelmenge ist nicht immer ausreichend für eine sichere Befreiung von Bandwürmern und Darmsaugwürmern. Gegebenenfalls Praziquantel (pur) 10 Tage vor oder 10 Tage nach der Gabe von Milprazon in der oben unter 1. angegebenen Menge wiederholen.

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Praziquantel, Levamisol und/oder Flubenol dürfen auf keinen Fall an ein und demselben Tag verabreicht werden!!

Schwache, untergewichtige oder sehr kleine Igel dürfen nicht vor einer Stabilisierung ihrer Konstitution mit Levamisol und Flubenol behandelt werden.

Im Normalfall beginnt man die Entwurmung mit Cotrim K und Praziquantel und  gibt Levamisol und Flubenol erst danach.

In schwierigen Fällen empfiehlt es sich, die Entwurmungsmedikamente in reduzierter Dosis in Kombination mit geeigneten Antibiotika zu geben und die Gabe der Entwurmungsmedikamente nach 2 bis 3 Wochen in voller Dosis zu wiederholen.

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Oder aber:

Wenn man die prophylaktische Entwurmung aus grundsätzlichen Überlegungen heraus ablehnt,  bittet man den igelerfahrenen Tierarzt, eine mikroskopische Kotuntersuchung durchzuführen, so dass nur die Parasiten behandelt werden, die in dieser Kotprobe tatsächlich bei dem betreffenden Igel gefunden werden.

Man muss dazu aber wissen, dass die gängigen Innenparasiten sich nicht ausschließlich im Darm aufhalten und auch oft in über mehrere Tage gesammelten Kotproben nicht nachweisbar sind. Nach etlichen Wochen in der Pflegestation fangen Igel z. B. plötzlich an zu husten und haben dann trotz anfänglicher negativer Kotuntersuchungen von Sammel-Kotproben doch (nachweisbar!) Lungenwürmer… Dies habe ich inzwischen SEHR oft erlebt.

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Antibiosen:

nur bei Indikation (Inappetenz, Durchfall, Gewichtsstagnation oder –abnahme, grüner Kot, schwere Atemwegsinfektionen, Verletzungen.)

Man injiziert zuerst: Duphamox LA: 0,1 ml pro 100 g KG, 4mal im Abstand von je 48 Std.. Nur wenn dies bis ca. 12 Std. nach der 2. Inj. keinen Erfolg bringt, verwirft man die 3. und 4. Inj. und fährt fort mit:

Baytril 2,5%ig: 0,05 ml pro 100 g KG, 5mal im Abstand von je 24 Std.. (Achtung: schwere Nebenwirkungen für Jungtiere. Nur nach erwiesener Wirkungslosigkeit von Duphamox LA verwenden!)

Bitte weisen Sie den konsultierten Tierarzt darauf hin, dass diese Behandlungsvorschläge  den Angaben in der Schrift „Igel in der Tierarztpraxis“ des deutschen Dachverbandes Pro Igel e.V. entsprechen, die von der Tierärztl. Hochschule Hannover mitentwickelt wurde und deren Lektüre als Ergänzung zum Studium jedem Tierarzt dringend zu empfehlen ist. Denn der Igel wird leider im Tiermedizin-Studium nicht detailliert behandelt.

(17,00 €, Bestell-Formular: http://www.pro-igel.de/produkt/igel-in-der-tierarztpraxis-igelwissen-kompakt-1/  oder als Download:  http://www.pro-igel.de/downloads/spezialthemen-iwk/IWk1_Tierarzt.pdf  )

Grundsätzlich kein Ivomec, kein Advocate oder sonstiges Spot-on-Präparat an Igel verabreichen: diese Mittel passieren beim Igel die Bluthirnschranke und führen in aller Regel zum Tod des Igels oder zu schwersten neurologischen Ausfällen.

Igel injizieren:  nicht in den Nacken, sondern Hautfalte am Oberschenkel zusammendrücken und von hinten nach vorne parallel zur Körperlängsachse subkutan die Kanüle einstechen.

Flubenol-Dosierung mit dem Pasten-Injektor

1 Teilstrich auf Injektorkolben = 0,5 ml

Igelgewicht in g Anzahl Teistriche ml        
250 1 0,5
500 2 1,0
600 3 1,5
700 4 2,0
800 4 2,0
900 und alles darüber 5 2,5

© Gertraude Göpner