Hier geht es um in menschlicher Obhut gesund gepflegte Igel mit dem erforderlichen Winterschlafgewicht (Richtwerte für Ende November: Jungigel: 750 g, Alttiere: mindestens 1000 g). Nach dem ersten Schneefall oder nach dem 1. Dezember sollten Igel nicht mehr in der Natur ausgewildert werden, weil sie kein Material mehr zum Nestbau finden und es so kalt ist, dass der Winterschlaf eventuell spontan auch ohne Nest ausgelöst würde.

Igel ohne Winterschlafmöglichkeit in warmer Umgebung zu behalten und bis zum Auswildern im Frühjahr weiter zu füttern, ist nicht artgerecht und damit eine Zuwiderhandlung gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Für eine Winterschlaf-Unterkunft brauchen wir:

  1. eine stabile Wellpappkiste, Grundfläche ca. 50cm x 70cm, Höhe mind.50cm,
  2. ein Pappstück mit den Maßen der kleineren Seitenwand (als mittlere Trennwand),
  3. ein Pappstück mit den Maßen der Hälfte der Grundfläche (als Dach),
  4. eine Wellpappkiste ca. 22cm x 28cm x 20cm mit Deckel (als Schlafhäuschen),
  5. breites Paketklebeband,
  6. mehrere dicke Lagen Zeitungspapier,
  7. vier 10-Liter-Eimer voll Zeitungs-Knüllpapier,
  8. 2 Rollen Toilettenpapier,
  9. ein scharfes Messer mit Spitze und Wellenschliff,
  10. einen Schreibstift.

Aus der größeren Seitenfläche des Schlafhauses schneiden wir mit dem Messer ein torförmiges Eingangsloch heraus, 8 – 10 cm hoch und an der Unterkante 8 – 10 cm breit (je nach Größe des Igels), – direkt oberhalb der Bodenfläche und nicht mittig, sondern ca. 5 cm von der Seitenkante entfernt.

Bevor wir das Schlafhaus voll stopfen, halten wir es an die Unterkante der künftigen Boxentrennwand, und zwar so, dass es sich in der Mitte der Trennwand befindet: Jetzt können wir mit dem Schreibstift den Umriss des Eingangslochs übertragen und anschließend auch aus der Trennwand den Eingang ausschneiden.

Das Schlafhaus legen wir dick mit Zeitung aus, reißen das Toilettenpapier in Stücke (ca. 2 und 3 Blatt große Stücke ist klein genug), stopfen es leicht geknüllt ins Schlafhäuschen und kleben mit dem Klebeband den Deckel fest zu. In den Deckel stechen wir mit dem Messer 1cm große Luftlöcher (Messer einstechen und drehen).

Die große Kiste wird zu einer zweigeteilten Box. (In der einen Hälfte wird das Schlafhaus mit umhüllender Isolierung aus Knüllzeitung seinen Platz finden, die andere Hälfte wird als Vorraum mit Futter- und Wasserangebot dienen, falls der Igel zwischendurch kurz wach wird.) Wenn die große Kiste Eingriff- oder sonstige Löcher hat, kleben wir diese sorgfältig von beiden Seiten mit Klebeband zu, eventuell mit Einsetzen eines passenden Pappstücks. Wir kleben mit Paketklebeband von beiden Seiten in senkrechten Streifen (quer kann es der Igel mit den Krallen wieder abreißen…) die Trennwand in die Mitte der großen Box. Die Trennwand darf nicht wackeln und muss für den Igel ein unüberwindliches Hindernis sein.

Beide Boxenhälften legen wir mit mehreren Lagen Zeitung auf dem Boden aus. Jetzt stellen wir das Schlafhaus hinein, so dass die beiden Eingangslöcher deckungsgleich sind.

Rings um das Schlafhaus stopfen wir nun Zeitungs-Knüllpapier. Es muss ziemlich fest gestopft werden, denn es soll erstens das Schlafhäuschen auf seinem Platz gut fixieren, und zweitens stellt es die wichtigste Temperaturisolation für unseren Igel dar. Auf das Dach des Schlafhäuschens schütten wir das Knüllpapier etwas lockerer, und zwar so viel, dass fast die Oberkante der großen Box erreicht ist. Darauf legen wir noch eine dicke Lage ungeknüllte Zeitung.

Zuletzt kleben wir mit Klebeband das zweite einzelne Pappstück als Deckel auf die Schlafseite der Box.

(Achtung: Styropor etc. eignet sich nicht als Isolationsmaterial, da sich die durch die Atmung entstehende Feuchtigkeit in der Box sammelt. Auch Stroh, Heu oder Laub verwenden wir nicht, da die Gefahr des Schimmelns, eines Hautpilzes oder des Parasitenneubefalls zu groß ist.)

 

Der „Vorraum“, also die andere Seite der Box, bleibt oben offen. Wir legen ihn mit ein paar Blättern Zeitung aus, auf die wir einen Wassertrinknapf und einen Fressnapf mit 2 bis 3 Esslöffeln Igeltrockenfutter stellen (nicht mehr, und unter keinen Umständen Feuchtfutter, das den normalen Stoffwechsel aufrecht erhalten würde. Es soll nur eine Notration sein).

Die fertige Box soll überdacht bei nahezu Außentemperatur stehen, auch bei Minusgraden. Sie darf auf keinen Fall nass werden oder dauernder starker Zugluft ausgesetzt sein. Am besten eignen sich ein Gartenhaus, eine als Abstellraum genutzte Garage, ein Dachboden oder ein absolut trockener, windgeschützter Balkon oder eine wirkungsvoll überdachte Terrasse.

Wintergärten, Gewächshäuser und vor allem Keller sind erfahrungsgemäß zu warm, so dass ein Igel nicht in den echten Winterschlaf fällt, sondern in einem sehr energiezehrenden Dämmerschlaf dahindöst und völlig abmagert. Bei Dachböden bedenke man, dass es dort im zeitigen Frühjahr schon sehr warm werden kann, so dass der Igel vorzeitig aufwachen könnte. Bei Terrassen, Car-Ports, offenen Schuppen etc. muss man sicher sein, dass der schlafende und hilflose Igel nicht von Ratten oder Mardern angefressen wird.

Nun kann der Igel einziehen!

Unser Igel verträgt den Umzug von der warmen Päppel-Box in die Kälte ohne Probleme. Allenfalls eine Nacht als Übergangszeit in einem kühlen Flur ist sinnvoll, nicht länger. In dieser Übergangsnacht gibt man nur noch Trockenfutter, damit die den Darm belastenden Reste des Feuchtfutters vor Bezug des Winterschlafquartiers ausgeschieden werden. Durch diese Maßnahme verliert ein Igel meistens zwischen 50 und 100 g Gewicht – dies ist normal und braucht den/die Igelpfleger/in nicht zu beunruhigen.

Zum Einzug in die Winterschlafbox setzt man den Igel tagsüber mit der Nase vor den Eingang seines Schlafhäuschens. Er wird bald darin verschwinden und nach ein oder zwei Nächten darin in den Winterschlaf fallen.

Sollte unser Igel Nacht für Nacht aus seinem Schlafhaus herauskommen, fressen, Unfug treiben und einfach nicht winterschlafen wollen, ist es eine drastische, aber wirkungsvolle Maßnahme, ihm für einige Tage das Futter gänzlich wegzunehmen. Das funktioniert allerdings nur bei Temperaturen unter +7°. Denn ebenso wie Kälte ist auch Nahrungsknappheit ein  Winterschlaf-auslösender Faktor.

Manchmal hilft es erstaunlicherweise, die Box an einen anderen Platz zu rücken, einen oder zwei Meter weiter, was gerade im Gartenhausquartier möglich ist. Denn einige Igel stören sich an Fließgeräuschen des Grundwassers oder von durch Menschen gelegten Wasserleitungen, und schlafen nach dem Umstellen problemlos ein.

Ein winterschlafender Igel stopft den Eingang zum Schlafhaus fest zu, und der Mensch sieht bitte bis Ende April nicht hinein! Es ist normal, dass Igel während der Winterschlafzeit ab und zu aufwachen, aus dem Schlafhaus herauskommen, etwas Kot absetzen (Winterschlaf-Häufchen sind dunkelgrün, kein Grund zur Beunruhigung), Wasser trinken, Trockenfutter fressen (oder beides auskippen). Dann stellt man als Mensch die Ordnung wieder her. Man sollte das Wasser auch auffüllen, wenn es verdunstet ist. Wenn es gefroren ist, kommt der Igel sicherlich wegen der Kälte sowieso nicht heraus. Natürlich achtet der Mensch auch darauf, daß das Stacheltier nicht klammheimlich an der Herstellung eines Loches im Vorraum arbeitet, vorzugsweise in den Ecken, um auszubrechen.

Der Winterschlaf dauert im Idealfall von Mitte November bis Ende April. In dieser Zeit verliert der Igel bis zu einem Drittel seines Einschlafgewichts. Ist er endgültig wieder aufgewacht (das merkt man sehr genau, weil er in dem kleinen Vorraum alles auf den Kopf stellt!), holen wir ihn in die warme Box in unser Haus zurück und füttern ihn wieder bis auf sein Einschlafgewicht hoch. Nach einer guten Woche können wir ihn abends in seinem angestammten Revier auswildern, indem wir ihn in seinem Schlafhaus unters Gebüsch stellen, mit Futter- und Wassernapf neben dem Eingangsloch. Noch ca. 10 Tage sollte er diese Futterstelle beschickt finden –

dann ist er wieder wild und kommt ganz allein zurecht!