Es ist Anfang Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der über 200 g wiegt. Oder:

Es ist Mitte Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der über 300 g wiegt. Oder:

Es ist Anfang November. Ich habe einen Jungigel gefunden, der über 500 g wiegt. Oder:

Es ist Mitte November. Ich habe einen Jungigel gefunden, der über 700 g wiegt.

Was soll ich tun? 

 

gut proportionierter Jungigel à 350 g, so groß wie eine große Birne

gut proportionierter Jungigel à 350 g, so groß wie eine große Birne

Jungigel à 430 g, so groß wie eine Mango

Jungigel à 430 g, so groß wie eine Mango

 

Ein gesunder Jungigel mit obengenanntem Gewicht zu der dem Gewicht zugeordneten Jahreszeit ist freilebend draußen in der Lage, bis Mitte November das überlebensnotwendige Winterschlafgewicht von 500 bis 700 g zu erreichen, wenn Sie ihm eine regelmäßig beschickte Futterstelle mit Katzendosenfutter und Igeltrockenfutter, eine Wasserstelle und zusammengeharkte Laubhaufen anbieten. Eine wirkliche Hilfsbedürftigkeit liegt in diesem Fall glücklicherweise nicht vor. Sollten Sie den Igel gefunden haben, wenn Sie unterwegs waren, oder sollten Sie keinen eigenen Garten haben, könnten Sie den Igel eventuell umsiedeln in einen naturnahen Garten von Freunden, die bereit sind, eine entsprechende „Igel-Infrastruktur” einzurichten.

Wenn Sie sich dennoch entschließen, das Tier nicht wieder in die Natur zu entlassen, sondern wenn Sie auf der ganz sicheren Seite sein wollen, dass es beizeiten für den Winterschlaf dick genug ist, dann nehmen Sie es bitte sofort auf und warten nicht noch ab. Denn wenn Sie es zu spät aufnehmen, laufen Sie Gefahr, dass es einen plötzlichen Wintereinbruch gibt und Sie das Tier nicht mehr vor dem Winter auswildern können. Dann müsste es einen Winterschlaf in der Pappkiste machen, und Sie hätten es bis Anfang Mai in Pflege – und dies alles, ohne dass es im strengen Sinne wirklich notwendig gewesen wäre.

Haben Sie den Igel aufgenommen, müssen Sie seinen Karton bitte warm stellen, das heißt, 20° und mehr! Stellen Sie den Karton dann also bitte bei Wohnzimmertemperatur auf. Wenn er im Gartenhaus, Garage oder ungeheiztem Keller steht, wird das Tier dahin vegetieren, nicht genug fressen und nicht oder allenfalls genauso langsam zunehmen, wie wenn es in Freiheit ist. Damit tun Sie dem Tier keinen Gefallen und befinden sich, da es sich um eine nicht notwendige Gefangenhaltung und nicht artgerechte Unterbringung eines unter Naturschutz stehenden Wildtieres handelt, nach dem Tierschutzgesetz in einer, gelinde gesagt, juristischen Grauzone.

Lassen Sie das Tier zum „betreuten Wohnen im Garten“ am besten wieder frei. Zur Betreuung im Garten (Futterstelle, Gewichtskontrolle, Unterschlüpfe) lesen Sie sich bitte die Texte Nr. 13 (Futterstelle), 14 (kleine Jungigel im Garten) und 16 (Auswilderung im Herbst).

Jungigel gehören normalerweise in den Garten!

Jungigel gehören normalerweise in den Garten!

Foto: Kerstin Fickel

Foto: Kerstin Fickel

Wenn Sie das Tier unbedingt im Haus päppeln wollen, z. B. wenn es ein ungewöhnlich kalter Herbst ist oder wenn Sie aus irgendwelchen Gründen draußen keine Futterstelle einrichten können (Rattenplage, Hausmeister, Tier beim Spaziergang gefunden), richten Sie sich bitte genau nach dem Text zur Unterbringung eines Pflegeigels und setzen sich wegen der dann notwendigen Entwurmung gerne per Email mit mir in Verbindung.