5. Es ist Anfang Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 200 g wiegt. Oder: Es ist Mitte Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 300 g wiegt. Oder: Es ist Ende Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 400 g wiegt. Oder: Es ist Mitte November. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 500 g wiegt. Was soll ich tun?

Es ist     Anfang Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 200 g wiegt. Oder:

Es ist         Mitte Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 300 g wiegt. Oder:

Es ist        Ende Oktober. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 400 g wiegt. Oder:

Es ist     Mitte November. Ich habe einen Jungigel gefunden, der unter 500 g wiegt.

Was soll ich tun?  

 

gesunder Jungigel mit 160g, zusammengerollt so groß wie eine normale Nektarine

gesunder Jungigel mit 160g, zusammengerollt so groß wie eine normale Nektarine

 

kranker, untergewichtiger Jungigel mit 190 g

kranker, untergewichtiger Jungigel mit 190 g

untergewichtiger Jungigel mit 170g, so lang, aber nur ein Drittel so dick wie eine Mango

untergewichtiger Jungigel mit 170g, so lang, aber nur ein Drittel so dick wie eine Mango

gesunder Jungigel mit 350 g, so groß wie eine große Birne

gesunder Jungigel mit 350 g, so groß wie eine große Birne

Man kann nur dann halbwegs sicher sein, dass Jungigel den Winterschlaf überstehen, wenn sie Mitte Oktober mindestens 300 g, im letzten Oktoberdrittel mindestens 400g und im November mindestens 500 g wiegen. Wenn Jungigel im November mit unter 500g in den Winterschlaf gehen, reichen die Fettreserven nicht bis zum Frühjahr. Sie wachen dann einfach nie wieder auf.

Einen Jungigel, den man mit einem niedrigeren Gewicht gefunden hat, sollte man sofort ins Haus aufnehmen und nicht erst versuchen, ob er im Garten mit Hilfe einer Futterstelle vielleicht noch rechtzeitig dick genug wird. Es ist nämlich im Oktober meistens nachts schon zu kühl, als dass Jungigel eine genügend große Gewichtszuwachsrate schaffen könnten – die reingefütterten Kalorien werden zum großen Teil zur Aufrechterhaltung der Körperwärme verbraucht. Man kann untergewichtige Jungigel in zwei bis drei Wochen auf das erforderliche Winterschlafgewicht hochfüttern und, wenn man mit dem Wetter Glück hat und es noch keinen Frosteinbruch gibt, vor dem Winter noch wieder in die Natur entlassen. Wartet man mit dem Hereinholen zu lange, kann man sie vor dem Winterschlaf nicht mehr wieder auswildern, weil es dann schon zu kalt dazu ist. Dann muss man die Tiere in der Pappkiste Winterschlaf halten lassen und hat sie bis Anfang Mai in Obhut, was vermeidbar gewesen wäre.

Die Pappkiste eines Pflegeigels während der Päppelphase muss bei mindestens 20° Zimmertemperatur stehen. Bringen Sie den Igel gemäß der Anleitung im Text „Unterbringung, Futter, med. Behandlung, Auswilderung des Pflegeigels“ unter . Bitte füttern Sie pro 24 Std. ca. 100 g mit der Gabel püriertes Katzendosenfutter, das Sie mit 2 El. weichen Haferflocken, einem Tl. Speiseöl und evtl. etwas Wasser vermischen, so dass ein weicher, aber nicht flüssiger Brei entsteht. Sie könnten statt Haferflocken auch Igeltrockenfutter von Vitakraft kaufen und mit Mörser oder elektrischer Mühle zerkleinern und unter das Katzendosenfutter mischen. Darin sind noch mehr igelspezifische Vitamine und Spurenelemente enthalten als in Haferflocken. Man gibt dem Igel so viel zu fressen, wie er nur irgend frisst — auch tagsüber, nicht nur abends. Zu trinken geben Sie ihm bitte ein flaches Schälchen mit Wasser, auf keinen Fall Milch.

Leider kann es gut sein, dass das Hochpäppeln des Igels nicht so reibungslos abläuft, wie man zunächst denken könnte. Heutzutage haben fast alle Igel Innenparasiten, und geschwächte Igel werden damit nicht ohne Medikamente fertig. Wenn durch die Wärme und das endlich ausreichende Futterangebot nach der Aufnahme der Stoffwechsel richtig in Schwung gekommen ist, werden auch die Beschwerden durch Innenparasiten heftiger.

Komplikationen sind:
1. Der Igel frisst nicht mehr.
2. Der Igel frisst, nimmt aber weniger als 10 g pro Nacht zu.
3. Der Igel gibt grünen, schleimigen und/oder dünnflüssigen Kot von sich.

In letzterem Fall ist eine 5tägige Antibiose notwendig, zu der es dann unumgänglich ist, dass der Igel täglich oder alle 48 Std. eine Spritze bekommt und sachkundig beobachtet wird. In den anderen Fällen muss der Igel entwurmt werden.

Gehen Sie bitte, wenn es Probleme durch Innenparasiten geben sollte, lieber nicht zum Tierarzt. Zu viele Tierärzte kennen sich mit Igeln nicht aus, weil der Igel im Tierarztstudium fast gar nicht vorkommt, und geben in guter Absicht falsche oder dem Zustand und Alter des Tieres nicht angemessene Medikamente. (Auf keinen Fall dürfen Ivomec oder Advocate oder irgendein anderes Spot-On-Präparat bei Igeln verwendet werden. Sie sind für Hunde und Katzen entwickelt und lassen sich nicht einfach per Dreisatz auf das Gewicht des Igels umrechnen, denn der Igel verstoffwechselt ganz anders als andere Tiergattungen.)

Je nachdem, ob meine kleine Igel-Intensivpflegestation schon überfüllt ist oder nicht und wie schwer Ihr Igel krank ist, würde ich die Behandlung des Tieres dann stationär übernehmen oder Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, um es in engmaschigem Austausch zwischen uns bei Ihnen zu Hause zu behandeln. Dies gilt natürlich vor allem auch, wenn Sie so weit entfernt wohnen, dass eine Übergabe des Igels an mich ohnehin nicht in Frage kommt.

Wenn Sie mit dem Igel und mit dem Wetter Glück haben, könnte es sein, dass Sie ihn noch so groß bekommen, dass Sie ihn vor dem Winterschlaf noch wieder auswildern können. Dann wäre es hilfreich, wenn im Garten ein mit trockenen Blättern gefülltes Holzschlafhäuschen mit großen Laubhaufen drumherum vorbereitet ist. Ein Winterschlafhaus im Garten sollte keinen Fußboden haben, da sich die Igel gern eine kleine Mulde scharren. Und es muss unbedingt aus atmungsaktivem Material sein, damit der Igel nicht im März vom Kondensat seiner Atemluft klitschnass ist.

Wenn er vor dem Winter nicht mehr in den Garten entlassen werden kann, muss der Igel einen Winterschlaf in menschlicher Obhut in einer Pappwinterschlafkiste machen, die Sie in Ihr Gartenhaus, in die Garage oder auf einen kalten Dachboden stellen können.